Wer bist Du ohne Deine Firma? Die inneren Stolperfallen beim Übergang in den Ruhestand und wie Du Chef bleibst – auch beim Abschied.
Inhaltsverzeichnis
In diesem Artikel erfährst Du:
- Die unsichtbare Schwelle
- Der Startschuss liegt bei Dir
- Stolperfalle #1: Das Loslassen vom operativen Geschäft
- Stolperfalle #2: Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit
- Stolperfalle #3: Die unklare Vorstellung vom Danach
- Stolperfalle #4: Alleine nachdenken führt zu den immer gleichen Schlüssen
- Stolperfalle #5: Unklare Kommunikation verunsichert Dein Team
- Stolperfalle #6: Die kognitive Dissonanz – zwei Herzen in Deiner Brust
- Der Verlust von Status – und was danach kommt
- Chef bleiben – auch beim Abschied
- Was jetzt?
Die Kurzversion
Eine Studie des emeritierten Wirtschaftswissenschaftlers zeigt, dass Firmen zu wenig auf die Übergabe vorbereitet sind. Zumal die nächste Generation oftmals andere Ziele haben. Der Ruhestand rückt näher, aber der Senior wie auch die Seniorin fühlen sich zu jung fürs Altenteil. Die Nachfolge beginnt jedoch nicht mit Zahlen und Verträgen – sondern mit dem Menschen.
Die 6 inneren Stolperfallen: mangelnde Klarheit über das eigene Vermögen und die Absicherung im Alter.
- Loslassen gelingt nicht wirklich – Die Dinge landen immer wieder auf Deinem Schreibtisch
- Angst vor Bedeutungslosigkeit – Wer bin ich ohne meinen Titel, ohne meine Firma?
- Keine klare Vorstellung vom Danach – Die nächsten 30 Jahre haben genauso viel Planung verdient wie die letzten 30
- Alleine im Gedankenkreis hat man oft nicht ausreichend Perspektiven. – Wer alleine nachdenkt, kommt immer zum selben Schluss
- Unklare Kommunikation ans Team – Deine besten Mitarbeiter gehen, weil sie keine Perspektive sehen
- Zwei Herzen in der Brust – „Ich sollte aufhören“ vs. „Ich bin doch noch fit!“
Die Lösung: Innere Klarheit vor äußeren Regelungen. Hol Dir einen externen Sparringspartner ohne emotionale Beteiligung. Denn Du bist der Kapitän – Du entscheidest, wann Du das Ruder übergibst.
Nachfolge ist nichts für Feiglinge. Aber Du schaffst das – mit der richtigen Unterstützung in der Nachfolgeplanung.
Die unsichtbare Schwelle
Da ist er also, dieser Moment. Der Moment, in dem Du merkst: Es wird Zeit. Zeit, über Nachfolge nachzudenken. Zeit, Dir einzugestehen, dass ein neuer Lebensabschnitt näher rückt.
Und gleichzeitig hörst Du Dich sagen: „Ja, aber jetzt noch nicht.“
Kennst Du das? Diesen Tanz auf einer unsichtbaren Schwelle zur Unternehmensübergabe? Einen Schritt vor, zwei zurück. Mal mit dem einen Fuß drüben, dann wieder ganz zurück. Es ist wie eine Bewegung zwischen zwei Welten – und Du bist noch nicht ganz bereit, die eine zu verlassen.
Keine Sorge: Das ist völlig normal. Und vor allem: Du bist nicht allein.
Denn eine Unternehmensnachfolge beginnt nicht mit Zahlen, Steuerberatern oder Verträgen, sondern mit der Frage, wie man sein Lebenswerk absichern kann. Sie beginnt in Dir.
Der Startschuss liegt bei Dir
Alle theoretischen Überlegungen, alle Gespräche mit potenziellen Nachfolgerinnen, alle Planungen kommen erst richtig zum Tragen, wenn Du so weit bist. Wenn Du sagst: „Jetzt geht es richtig los. Ich bin bereit, in eine neue Phase meines Lebens einzutreten.“
Anders als bei Angestellten gibt es für Dich keinen fixen Tag X. Kein Eintritt ins Rentenalter, den das Personalbüro Dir vorgibt. Kein automatisches Ende, sondern eine bewusste Entscheidung, ob Du in Ruhestand gehst.
Und das ist Fluch und Segen zugleich.
Der Segen: Du hast die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Der Fluch: Du musst die Verantwortung für diese Entscheidung übernehmen.
Und genau da beginnen die inneren Stolperfallen.
Stolperfalle #1: Das Loslassen vom operativen Geschäft
„Ich delegiere schon“, sagst Du vielleicht. Und meinst es auch so.
Aber dann landen die Dinge plötzlich wieder auf Deinem Schreibtisch. Rückdelegation nennt man das. Und schon sitzt Du wieder mittendrin, steuerst, entscheidest, löst Probleme.
Die Frage ist: Ist das die andere Seite – oder hat das mit Dir zu tun?
Manchmal ist es der Nachfolger, der sich noch nicht traut. Manchmal das Team, das noch unsicher ist. Aber manchmal – und sei ehrlich zu Dir – bist auch Du es, der nicht wirklich loslässt.
Vielleicht sind Deine Botschaften nicht so eindeutig, wie sie sein könnten. Vielleicht gibst Du zwar ab, holst es aber beim ersten Anzeichen von „Das läuft nicht wie ich es mir vorstelle“ wieder zurück.
„Mach mal“ ist keine Delegation. „Ja, so habe ich es mir aber nicht gedacht“ ist auch keine Lösung.
Delegation braucht Klarheit, einen Rahmen aber auch Vertrauen an die, die die Arbeit übernehmen. Wenn Dir die Bereitschaft und Akzeptanz dafür fehlt, dass es anders gemacht wird, als Du es gemacht hättest – dann bleibt die Arbeit weiter an Dir hängen.
Im Mittelstand sind die Senior-Unternehmer jahrzehntelang als Macher und Anpacker, die sich selbst nicht schonen, die den Unterschied machen. Und dieser Führungsstil hat seine Licht- und Schattenseiten.
Die Frage, die Du Dir stellen darfst: Gelingt es Dir wirklich, immer abkömmlicher zu werden? Oder hältst Du – vielleicht ohne es zu wollen – die Fäden noch fest in der Hand?
Stolperfalle #2: Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit
„Wer bin ich ohne meine Firma?“
Das ist die Frage, die nachts kommt. Wenn es still ist. Wenn keine Meetings mehr sind, keine E-Mails mehr reinkommen.
Wer bist Du, wenn auf Deiner Visitenkarte nicht mehr „Geschäftsführer“ steht?
Wer bist Du, wenn Du morgens nicht mehr auf dem ersten Parkplatz stehst?
Wenn Dich nicht mehr alle freundlich grüßen, weil Du der Chef bist?
Wir alle möchten in dieser Welt Spuren hinterlassen. In der unternehmerischen Landschaft wie auch im privaten Leben möchten wir eine Bedeutung haben, etwas bewegt und einen Unterschied gemacht haben.
Und plötzlich steht da die Frage im Raum: Bin ich etwas wert – auch ohne meinen Titel?
Die unbequeme Wahrheit: Diese Frage kann ich Dir nicht beantworten. Aber wir können sie gemeinsam suchen.
Was macht Dein Leben über die Arbeit hinaus aus? Was ist da noch, neben der Firma, wo Du Dich sicher fühlst und Deine unternehmerische Verantwortung wahrnimmst?
Es kann gut sein, dass Du die letzten 25, 30 Jahre so viel in Deine Firma investiert hast, dass genau diese Frage nach hinten gerutscht ist. Dass Du gar nicht mehr so genau weißt, was „danach“ kommen könnte.
Und genau da lohnt es sich, hinzuschauen.
Stolperfalle #3: Die unklare Vorstellung vom Danach
Hier ein kleiner Reality-Check: Die Zeit zwischen 30 und 60 ist genauso lang wie die zwischen 60 und 90.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir heute 90 werden, ist ziemlich groß.
Die Altersspanne zwischen 30 und 60 planst Du in der Regel sehr, sehr gut: Deine Karriere, deine Firma, wie Du die Verantwortung dafür übernimmst. Auch Deine Familie, die oft ein Teil der Firma ist.
Und ab 60? Dich einfach zur Ruhe setzen? Däumchen drehen? Im Schaukelstuhl wippen?
Ich bin jetzt 62. Und ich sage Dir: Nö. Habe ich keine Lust zu.
Ich habe eine Menge Ideen und Pläne für die nächsten 10 Jahre. Und Dir kann es genauso gehen. Du denkst vielleicht: Eigentlich habe ich noch eine Menge vor.
Dann gilt es zu sortieren:
Brauchst Du wirklich die ganze Firma dafür?
Oder kannst Du Dich nach und nach zurückziehen – und endlich mal das Buch schreiben, das Du schon lange machen wolltest?
Oder diese Trekkingtour durch Schweden unternehmen?
Oder Dich zweimal im Jahr für sechs Wochen rauszuziehen für das aufwendige Hobby, für das Du nie Zeit hattest?
Und was sind eigentlich meine eigenen Interessen außerhalb der Firma?
Je klarer Du eine Vorstellung hast, was Du danach machst, umso einfacher ist es, das Jetzige abzugeben und hinter Dir zu lassen.
Stolperfalle #4: Alleine nachdenken führt zu den immer gleichen Schlüssen
Du grübelst. Du überlegst. Du wägst ab. Und am Ende landest Du immer wieder an derselben Stelle.
Das ist vollkommen normal. Wer alleine nachdenkt, kommt immer wieder zum selben Schluss.
Deine Partnerin sagt vielleicht: „Komm, wir wollten doch die große Wohnmobil-Reise machen!“ Aber sie versteht nicht wirklich, was in Dir vorgeht.
Der potenzielle Nachfolger hat einen ganz anderen Blick auf die Firma. Eine andere Lebenssituation. Andere Prioritäten.
Deine Freunde vom Golfklub? Die sagen salopp: „Findest eh keinen Nachfolger.“ Auch nicht hilfreich. Denn jede Situation ist anders. Und zwei Drittel der Firmen in Deutschland finden übrigens sehr wohl einen Nachfolger.
Du bist alleine bei dieser Entscheidung. Denn die anderen haben eben immer einen ganz anderen Blick auf Deine Situation.
Was Du brauchst, ist jemand, der nicht involviert ist. Der keine Pfründe hat. Der ohne emotionale Beteiligung mit Dir denkt.
Jemand, der Dich unterstützt, unterschiedliche Positionen, Möglichkeiten und Alternativen zu entwickeln. Der Dir hilft, aus der Gedankenschleife auszusteigen.
Stolperfalle #5: Unklare Kommunikation verunsichert Dein Team
Wenn Du selbst noch nicht klar bist, wie es weitergeht, dann sendest Du widersprüchliche Signale. Auch wenn Du nichts sagst – gerade dann.
Deine Leute sind kluge Leute. Die wissen: Der Chef kommt langsam in das Alter. Wie geht es hier weiter für sie?
Übernimmt eines seiner Kinder?
Wird der Betrieb an Externe verkauft?
Gehören wir dann zu dem neuen Team?
Macht er einfach den Laden dicht?
Hat er überhaupt einen Plan für die Unternehmensübergabe?
Das ist immer eine große Gefahr: Dass die besten Mitarbeiter in dieser Situation gehen.
Weil sie keine Perspektive sehen. Weil sie sich unsicher fühlen. Weil sie nicht wissen, woran sie sind.
Da ist es sinnvoll zu sagen: „So und so sieht die Perspektive aus. Ich habe schon jemanden, der das gerne weitermacht. Wir haben Ideen entwickelt. Das wird in der Richtung weitergehen.“
Natürlich müssen sich Dinge ändern. „Alles weiter wie bisher“ ist nur bedingt eine Lösung. Deine Firma muss für die Zukunft gerüstet sein.
Aber je klarer Du bist, umso vorausschauender kannst Du mit Deinem Team umgehen – und ihnen Sicherheit geben.
Du bist als Unternehmenslenker derjenige, der den Rahmen setzt. Der Sicherheit vermittelt. Auch – und gerade – in Zeiten des Wandels.
Stolperfalle #6: Die kognitive Dissonanz – zwei Herzen in Deiner Brust
Von außen gibt es Druck.
Vielleicht sagt die Bank: „Wir brauchen einen Vertrag. Wie stellen Sie sich das vor?“
Vielleicht der Steuerberater: „Angesichts der Finanzplanung im Unternehmen und den steuerlichen Aspekten wäre besser, wenn …“
Vielleicht die Nachfolgerin: „Entweder wird es jetzt ernst, oder ich suche mir was anderes.“
Vielleicht die eigene Familie: „Du hast mir doch versprochen…“
Und in Dir drin? Da schlagen zwei Herzen.
Das eine sagt: „Ich bin Unternehmer. Ich sollte mich zurückziehen. Vernünftig wäre das.“
Das andere sagt: „Ich fühle mich zu jung fürs Altenteil.“
Und das stimmt ja auch. Die Generation vor uns war mit Anfang 60 einfach schon mental und körperlich älter. Wir heute sind an einem anderen Punkt. Dank unserer Lebensweise, dank der Medizin.
Du fühlst Dich zu jung. Und gleichzeitig weißt Du: Es wäre klug, jetzt die Weichen zu stellen.
Das ist eine kognitive Dissonanz. Zwei Seiten, die im Widerspruch stehen.
Und genau da brauchst Du Klarheit. Und zwar innere Klarheit – bevor die äußeren Regelungen greifen.
Der Verlust von Status – und was danach kommt
Ein Kollege und Freund erzählte mir mal: „Weißt Du, was echt blöd war? Im ersten Jahr nach dem Verkauf meiner Firma hat mich der Bürgermeister nicht mehr zum Neujahrsempfang eingeladen. Ich war ja nicht mehr der Unternehmer mit 25, 30 Mitarbeitern. Das war jetzt ein anderer.“
Es ist ein Verlust an Status. An sozialem Ansehen und der zentralen Rolle einer Führungskraft. Das mag wehtun.
Die Frage ist: Gibt es ein anderes Setting, wo Du gesehen wirst? Wo Du Dich gut einbringen kannst?
Wo Du weiterhin einen Unterschied machst – vielleicht auf andere Weise?
Mein Freund? Der hat sich seiner Leidenschaft des Tüftelns hingegeben. Hat inzwischen ein neues Modell entwickelt. Hat eine andere Form gefunden, sein Leben mit Bedeutung zu füllen.
Und genau darum geht es: Deinem Leben eine neue Bedeutung zu geben.
Den Dingen, die bisher zu kurz gekommen sind, einen neuen Rahmen zu geben. Neue Möglichkeiten zu schaffen.
Chef bleiben – auch beim Abschied
Hier ist die gute Nachricht: Du bist der Kapitän.
Du entscheidest, wann Du in den Hafen einläufst. Du entscheidest, wann Du das Ruder übergibst.
Nicht die Bank. Nicht der Nachfolger. Nicht die äußeren Umstände.
Natürlich gibt es objektive Gründe, warum es gerade jetzt noch nicht passt. Der wichtigste Mitarbeiter im Vertrieb fällt aus. Der Hallenbau verzögert sich. Es gibt immer etwas zu tun in einer Firma.
Aber zwischen „Es gibt immer was zu tun“ und „Ich bin bereit“ liegt Deine Entscheidung.
Und diese Entscheidung braucht Mut.
Wie ich schon gesagt habe: Nachfolge ist nichts für Feiglinge.
Was jetzt?
Wenn Du merkst, dass Du auf dieser unsichtbaren Schwelle stehst. Wenn die inneren Fragen lauter werden als die äußeren Themen. Wenn Du nicht mehr alleine im Kreis denken willst.
Dann lass uns gemeinsam schauen, was Dein nächster mutiger Schritt sein kann.
Hol Dir einen externen Sparringspartner an Deine Seite. Jemanden, der ohne emotionale Beteiligung mit Dir fachlich denkt. Der Dir hilft, Klarheit zu gewinnen.
Denn bevor Finanzen, Steuern und Verträge geklärt werden, ist das innere Sortieren entscheidend. Frühzeitig sich kümmern heißt, dass der beste Zeitpunkt bereits vorbei ist. Doch der zweitbeste ist heute.
Wer bin ich ohne meine Firma?
Je klarer Du diese Frage beantwortest, desto leichter gelingt die Übergabe.
Und desto mehr bleibst Du Chef – auch beim Abschied.
Bereit für das Gespräch? Dann melde Dich. Denn Deine nächsten 30 Jahre haben genauso viel Planung verdient wie die letzten 30.








